„Kraut und Rüben“ – oder was Tango mit Bach zu tun hat

Konzerte des neu gegründeten „Cellissimo-Projektes“ 2019 am 17.10. im Hölderlin-Gymnasium Lauffen und am 18.10. im Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn

Unter dem ungewöhnlichen Titel „Kraut und Rüben“ standen die Konzerte des „Cellissimo-Projektes“ 2019, zu denen insgesamt rund 120 kleine und große Besucher gekommen sind.

Der Konzerttitel „Kraut und Rüben“ bezieht sich zum einen auf den barocken Gassenhauer, den Johann Sebastian Bach im Quodlibet der berühmten Goldbergvariationen verarbeitet hat, und zum anderen auf die Zusammensetzung des „Cellissimo-Projektes“, das der Violoncello-Lehrer Oliver Krüger in diesem Jahr an der Musikschule Lauffen/N. und Umgebung gegründet hat.

Eine Besonderheit: Das 14-köpfige Ensemble ist mit Blick auf Alter und Können bunt gemischt. Siebenjährige musizieren mit 20-Jährigen im gegenseitigen Erfahrungs- und Ideenaustausch, erklärt Moderatorin Gudrun Koch, Leiterin des Fachbereichs „Elementare Musikpädagogik“ an der Musikschule Lauffen/N. und Umgebung. Sie führte interessant und abwechslungsreich durch die Konzerte und erläuterte kompetent die Programmkonzeption.

Bereits mit dem ersten auswendig gespielten Stück „Apache“ wird klar, welches Potenzial in diesem Ensemble steckt: Die jungen CellistInnen begrüßen ihr Publikum mit einem intensiven Klang, ihre Begeisterung und Spielfreude ist spürbar. Die sieben jüngeren „Cellissimo-Kids“- SpielerInnen im Durchschnittsalter von 8 Jahren präsentieren anschließend in der „Dschungelmusik“ ihre eigene experimentelle Improvisation.

Neben einer fundamentalen technischen Ausbildung gehöre es auch dazu, dass die Schülerinnen und Schüler Musik spüren und sich musikalisch ausdrücken können, erläutert Gudrun Koch.

Das Ziel der beiden Lehrkräfte, bei den SchülerInnen ein musikalisches Feuer zu entfachen und Ihnen ein tiefgreifendes Musikverständnis zu vermitteln, ist gelungen.

Besonders fällt bei allen SpielerInnen ein kommunikatives Ensemblespiel auf. Geplante und improvisierte Überleitungen zwischen den einzelnen Stücken erhalten die Spannung.

So auch bei der Überleitung vom konzertanten Solostück „Sundown at Solitude“, ausdrucksvoll gespielt von Carmen Walter, zum südländischen Liebesthema aus dem bekannten Mafia-Kinofilm „Der Pate“.

Dass auch Musik verschiedener Epochen eindrucksvoll zueinander in Bezug gesetzt werden kann, erlebten die Zuhörer in der spannungsvollen Verbindung der Werke Johann Sebastian Bachs, dem Quodlibet „Kraut und Rüben“ und dem „Kanon zu 5 Stimmen“ über die Fundamentalnoten aus dessen Goldbergvariationen mit dem Libertango Astor Piazzollas. Diese Werke wurden eigens für eine Quintett-Besetzung arrangiert.

Bei dem barocken Tanz „La Bergamasca“, den die Cellissimo-Kids streichen, zupfen oder mit dem hölzernen Teil des Bogens „col legno“ spielen, übernehmen die Kinder selbstständig die Verantwortung für das gemeinsame Tempo und Zusammenspiel.

Auch bei dem hebräischen Kanon „Schalom Chaverim“ konnten die Kinder und Jugendlichen ihre eigenen Ideen in Form von rhythmischen Pattern einbringen.

Das Cellissimo-Projekt geht weiter und ist offen für experimentierfreudige und engagierte CellospielerInnen. Die Fortsetzung des Projektes im kommenden Jahr 2020 mit Bezug auf ein großes Komponistenjubiläum ist bereits in Planung. Mehr werde allerdings nicht verraten, so Gudrun Koch und Oliver Krüger.

Bei den Cellissimo-Kids spielten mit: Mara Hellstern – Tiara Kunz – Samuel Neumann – Florian Schaffer – Georg Schmutz – Letizia Trede – Liv Wahl

Weitere, ältere Violoncello-Schüler des Cellissimo-Projektes: Fabian Fronius – Hanneli Fröhlich – Annalena Herzig – Bianca Lieberherr – Johanna Pötzl – Markus Rupp – Carmen Walter

 

Vielen Dank an Frau Kubitscheck für den eindrücklichen Konzertbericht!